Bekannte belgisch/niederländische Namensvettern
Bei den vielen Cornelissen in den Niederlanden und in Belgien verwundert es nicht, dass dort auch im Schrifttum eine Anzahl Namensträger zu finden sind. So führt das vielbändige niederländische Lexikon Summa, Encyclopedie en Woerdenboek in Kleur von 1974 zwei Cornelissen auf, beide Belgier. Der eine ist der Bildhauer Remy Cornelissen, geboren 1913 in Turnhout. Bis 1963 arbeitete er vor allem in Stein, dann ging er über zu Metallskulpturen mit dem Schweißbrenner, durch die er international bekannt wurde. Der andere ist Pieter Jozef Cornelissen, ein "Folklorist" oder Volkskundler, geb. 1866 in Antwerpen, gest. 1942 in Deurne. Er war Lehrer und Mitbegründer der volks- und sprachkundlichen Zeitschrift Ons Volksleven.
Außer den an anderer Stelle behandelten Persönlichkeiten mit Namen, die sich von Cornelius herleiten, sind in der Summa noch aufgeführt:
Cornelis van Bergen, Fürstbischof von Lüttich, gest. 1545. Als Bundesgenosse der Habsburger bekämpfte er den Protestantismus, musste aber 1544 emigrieren.
Arent Cornelisz., auch Arnoldus Crusius genannt, niederländischer protestantischer Theologe, geb. 1547 in Delft und dort 1605 gestorben. Er hielt die Leichenrede für Wilhelm von Oranien. Als feuriger Calvinist bekämpfte er Lutheraner und Mennoniten.
Georges Cornil, belgischer Jurist, geb. 1863 in Charleroi, gest. 1944 in Brüssel. Seit 1900 Professor für römisches Recht in Brüssel. Verschiedene Werke hierüber in franz. Sprache.
Léon Cornil, belgischer Magistrat und Jurist. geb. 1883 in Brüssel und dort 1962 gestorben. Bruder von Georges Cornil. Generalprocureur am Cassationsgerichtshof, später Professor in Brüssel. 1938 auch Professor in Kairo. Mehrere juristische Werke in französischer Sprache.
Evert Cornelis, ein niederländischer Musiker, geb. 1884 in Amsterdam, gest. 1931 in Bilthoven. 1922 wurde er zum Dirigenten des Utrechter städtischen Orchesters bestellt. Er war ein bekannter Kammermusikspieler und Chorleiter.
Hendrik Arthur Cornelis, belgischer Kolonialbeamter, geb. 1910. Er gründete 1942 im Kongo die Zeitschrift Band und war dort von 1958 bis 1960 Generalgouverneur. 1960 nach der Unabhängigkeit des Kongo kehrte er nach Belgien zurück, wo er Berater verschiedener finanzieller Institute war.
Eine andere niederländische Enzyklopädie, die ebenfalls vielbändige Grote Winkler Prins, 1977, führt weiterhin einen niederländischen Historiker namens Joannes Dominicus Maria Cornelissen auf (geb. 1893 in ’s-Hertogenbosch, gest. 1947 in Nijmegen). Er war u. a. bis 1930 Sekretär des Niederländischen Historischen Instituts in Rom und danach Hochschullehrer an der katholischen Universität von Nijmegen für Neuere Geschichte.
Das Biografisch Woordenboek van het Socialisme en de Arbeidersbeweging in Nederland, 1987, widmet einen ausführlichen Artikel dem niederländischen Journalisten und Schriftsteller Christianus Gerardus Cornelissen, ein engagierter Kommunist, der in der niederländischen und später in der französischen und auch der internationalen Gewerkschaftsbewegung eine bedeutende Rolle spielte. Seine zahlreichen Veröffentlichungen erschienen teilweise unter den Pseudonymen Clemens, Rupert und Wanderer. 1864 in `s Hertogenbosch geboren, verließ er 1898 die Niederlande und ließ sich dauerhaft in Frankreich nieder, wo er 1942 starb. Sein Name schrieb sich in Frankreich Christian Cornélissen. (www.iisg.nl/bwsa/bios/cornelissen.html)

Theologieprofessor Hermanus Cornelissen
Der englisch abgefasste Who’s Who in the Catholic World, Band I: Europa, Ausgabe 1967/68, führt neben zwei Cornelis und einem Cornelli auch einen Cornelissen auf. Es handelt sich dabei um einen Professor Hermanus Cornelissen von der Universität Nijmegen in Holland, dort geboren am 13.10.1906, der seit 1936 Moraltheologie an der Theologischen Fakultät des Dominikaner Ordens lehrt. Als Veröffentlichungen werden genannt: Geloof zonder prediking (= Glaube ohne predigen) und die Abhandlungen Moralität und Libertät, Geburtenkontrolle, Zweifel und Glauben sowie Periodische Abstinenz.

Noch mancher Cornelissen aus neuester Zeit
Ein J. Cornelissen schrieb 1923 ein Buch Uit de geschiednenis van Bergen-op-Zoom in de 15e eeuw (= Aus der Geschichte von Bergen o. Z. im 15. Jh.). Ein J. D. M. Cornelissen schrieb 1932 ein Werk über Calvin und Rousseau und 1938 über Tacitus. Der Journalist und Publizist Igor Cornelissen veröffentlichte 1993 eine Biographie über den Betrüger (?) Siegfried Wreszynsky (Opkomst en Ondergang van een onweerstaanbare Oplichter?). Auf der Autobahn in Deutschland sieht man ab und zu Laster mit der großen Aufschrift "Cornelissen"; es handelt sich um die Wagen eines Spediteurs dieses Namens aus Nimwegen. An der jährlich wiederkehrenden Ausstellung "Das Boot" in Essen nahm im Januar 1996 ein Bootsverleiher "Jachtverhuur Fa. H. Cornelissen & Zn" teil; das Familienunternehmen ist in Gendt am Fluss Wal zwischen Arnheim und Nimwegen beheimatet. In der FAZ vom 24.8.1998 stand eine große Todesanzeige für den Senior Executive Vice President der ABN Amro Bank N.V, Georges Cornelissen, der "im Alter von 54 Jahren während seines Urlaubes plötzlich verstorben" war. Die Galerie d’Hermance in Genf gab 1997 eine reich bebilderte Einladung für ihre Ausstellung "2 Maîtres Hollandais" (= zwei holländische Meister) heraus; einer der beiden Maler war ein C. Cornelisz, geb. 1949. In den 1990er Jahren war der niederländische Christdemokrat Pam Cornelissen Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Europäischen Parlaments. Prof. Dr. C. Cornelissen (geb. 1951) ist zurzeit (2005) Dekan an der Fakultät für Tierheilkunde der Universität Utrecht.

Den Verfasser freute es besonders, als er 2015 im Internet auf eine Art Namensvetter stieß, nämlich Dr. Joep Cornelissen, Professor für Corporate Communication and Management an der School of Management der Erasmus Universität Rotterdam. Joep dürfte - in den Niederlanden anscheinend hoch offiziell - der im Rheinland und in Westfalen familiären Kurzform Jupp entsprechen. Der Verfasser wird unteren näheren Bekannten nur Jupp gerufen. Der Unterschied: Jupp wird kurz gesprochen, Joep anscheinend lang.


Valérie Cornelis und die Pralinen in Brügge
Zur besten Sendezeit, am Sonntagabend, dem 30.11.2008, um 20.15 Uhr, lief im 2. Fernsehprogramm die "TV-Liebeskomödie" Herz aus Schokolade. Hauptdarstellerin des mit zwei Sternen bewerteten Films ist eine junge Frankfurter Rechtsanwältin namens Valérie Cornelis. Gespielt wird sie von Simone Hanselmann. Alles dreht sich darin um ein Familienunternehmen, das im malerischen Brügge eine belgische Spezialität fabriziert: Pralinen.

Warum wählte der Autor den Familiennamen Cornelis für die sympathische Hauptdarstellerin?

Anscheinend fand er den Namen typisch für Belgien und wohl auch irgendwie angenehm und wohlklingend.
Recht hat er wohl!?



Ici repose Corneille de Pauw
Für die frühere Bekanntheit des Namens Cornelius und für den üblichen Wechsel zwischen den Formen Cornelis und Corneille ein weiteres Beispiel:
Auf dem mit Linden bestandenen Platz vor dem Hauptportal des Xantener St.-Viktor-Domes erhebt sich ein hoher Gedenkstein in Form eines Obelisken. In dessen mittleren Teil sind die folgenden Worte eingemeißelt:
ICI REPOSE
CORNEILLE DE PAUW
NE A AMSTERDAM
LE 19 AOUT 1739
AUTEUR DES RECHERCHES
SUR LES EGYPTIENS
LES CHINOIS LES GRECS
LES AMERICAINS
MORT A XANTEN LE
5 JUILLET 1799
(= Hier ruht Corneille de Pauw, geboren in Amsterdam am 19. August 1739,
Verfasser der Forschungsarbeiten über die Ägypter, Chinesen, Griechen, Amerikaner,
gestorben in Xanten am 5. Juli 1799.)


Auf dem Sockel darunter ist eingemeißelt - ebenfalls in französischer Sprache: Dieses bescheidene Monument ist auf Kosten der Stadt Xanten im Jahre 1811 errichtet worden, dem 8. Jahr der Herrschaft Napoleons des Großen.

Bei dem Toten handelt es sich um einen der Kanoniker des 1802 aufgelösten, 1000-jährigen Viktorsstifts, laut dem Encyclopädischen Französisch-Deutschen Wörterbuch von SACHS, Ausgabe 1875, ein holländischer Philologe und Historiker namens Cornelis van (oder: von) Pauw (gesprochen: po:w).



Obelisk für den 1739 verstorbenen Kanoniker Corneille de Pauw auf dem Platz vor dem Hauptportal des Xantener Doms. (Foto 24.7.1993)




Zu seinen Ehren heißt eine Straße südlich des Xantener Stadtzentrums Cornelius-de-Pauw-Straße.
Damals waren anscheinend der Vorname Cornelius und seine französische Fassung im Xantener Raum nicht selten. So wurde der Laurentius-Altar im Xantener Dom 1680 von dem Kanonikus Cornelius Lapiere gestiftet. Eher Zufall dürfte aber sein, dass die Architektin, nach deren Plänen 1966 die Krypta des Domes erweitert wurde, Trude Cornelius hieß.






Auch bei der EU vertreten
Eine Gruppe von Vertretern der Europäischen Alkoholunion, der Dachorganisation der nationalen Verbände der Alkohol- und Spirituosenwirtschaft in der EU hat Anfang 1989 eine Aussprache mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments im Parlamentsgebäude in Straßburg. Unter ihnen auch der Verfasser Josef Cornelissen aus Unna.
Sie werden in einen Sitzungssaal der Fraktion der Europäischen Volkspartei geführt und nehmen in den vordersten Reihen Platz. Als Josef Cornelissen sich gerade setzen will, wird er von einem Nachbar zum Eckplatz geschoben. Die anderen lachen. Dann merkt er warum: Auf den Plätzen stehen weiße Schilder mit dem Namen des jeweiligen Abgeordneten, damit die Sitzungsleitung weiß, wer sich zu Wort meldet. Auf dem Schild vor ihm steht mit großen Buchstaben: Cornelissen.
Wie sich nachher herausstellt, war dies der Platz des niederländischen Abgeordneten Petrus Cornelissen von der Fraktion der Europäischen Volkspartei. Nach der dort üblichen alphabetischen Reihenfolge hatte dieser seinen Platz an der Ecke der ersten Reihe.
Petrus Cornelissen, der in Holland der Christen Democratisch Appèl angehört, war damals u. a. stellvertretender Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Europäischen Parlaments.
Auch bei einer anderen europäischen Institution gab es damals einen Cornelissen: Der Leiter des Referats "Soziale Sicherheit der Wanderarbeitnehmer" in der Generaldirektion 5 der EG-Kommission in Brüssel hieß Rob Cornelissen.


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